Henning Höne im Interview mit web.de/GMX: Ich stehe für Leistungsgerechtigkeit und Marktwirtschaft

Henning Höne MdL, Landes- und Fraktionschef der Freien Demokraten in NRW und stv. Bundesvorsitzender der Freien Demokraten, gab web.de/GMX das nachstehende Interview. Die Fragen stellte Laura Czypull.

Herr Höne, werden Sie der letzte FDP-Chef?

Henning Höne: Ich möchte FDP-Chef werden, und ich bin überzeugt davon, dass es für die Freien Demokraten eine Zukunft in Deutschland gibt. Wir schließen den Laden nicht ab.

Sie wollen im Mai gegen Christian Dürr antreten. Ist noch mit anderen Kandidaten zu rechnen? Wolfgang Kubicki zum Beispiel?

Ich kandidiere nicht gegen jemanden, sondern für den Bundesvorsitz. Damit gibt es Wettbewerb und das ist gut so.  Ob andere kandidieren, müssen andere sagen. In den kommenden Wochen werde ich mit den Mitgliedern ins Gespräch kommen und mit ihnen über meine Ideen und Ziele für die FDP sprechen. Am Ende entscheiden die Delegierten auf dem Bundesparteitag.

Sie werden von Marie-Agnes Strack-Zimmermann unterstützt. Die hatte sich zunächst noch für eine Doppelspitze angeboten und sich dann doch zurückgezogen. Eine Doppelspitze kommt also nicht in Frage?

Da bin ich undogmatisch. Es gibt gute und schlechte Doppelspitzen, aber auch gute und schlechte Einzelvorsitzende über alle Parteien hinweg. In unserer Satzung ist allerdings eine Doppelspitze nicht verankert, eine Satzungsänderung auf dem Bundesparteitag wäre eine große Hürde. Mein Angebot ist das einer Erneuerung mit einem starken Team mit mir an der Spitze.

Neben Christian Dürr und Nicole Büttner zählen auch Sie zu den Gesichtern des ausbleibenden Erfolgs des letzten Jahres.

Die Verantwortung für das operative Geschäft tragen der Vorsitzende und die Generalsekretärin. Ja, auch ich trage Verantwortung für diese Partei und aus dieser Verantwortung heraus habe ich gesagt: So geht es nicht weiter. Die FDP braucht einen Neuanfang. Der ist nach der Bundestagswahl offensichtlich nie gelungen. Ja, ich trage schon länger Verantwortung in der Partei an unterschiedlichen Stellen, insbesondere in der Landespolitik. Allerdings möchte ich, dass die FDP Abstand zur Ampelzeit gewinnt, und dahingehend bin ich definitiv ein neues Gesicht.

Christian Dürr hatte auch schon versucht, die FDP umzukrempeln. Eine neue Erzählung fehlte allerdings. Wo wollen Sie den Cut zur alten FDP machen?

Wir haben uns seit der Bundestagswahl zu sehr über den Abstand zu anderen Parteien definiert. Darüber, wer wir nicht sind, anstatt eine eigene Strategie zu entwickeln. Dafür müssen wir den Liberalismus nicht neu erfinden. Aber wir brauchen eine personelle Neuaufstellung und müssen wieder eine eigenständige Kraft werden. Dafür will ich die Partei hinter drei starken Schwerpunkten versammeln: einer starken Wirtschaft, Freiheitsrechten im digitalen Raum und der Erneuerung des Aufstiegsversprechens.

Wie wollen Sie Ihre Partei so geeint hinter diesen Schwerpunkten versammeln, wo sich die FDP doch traditionell durch ihre verschiedenen liberalen Strömungen und die Meinungsvielfalt definiert?

Das ist unsere große Stärke – und als solche müssen wir sie auch wieder begreifen. Wir sollten genau in den Bereichen, in denen unterschiedliche Standpunkte existieren, mit Reibung etwas Neues erschaffen. Beispiel KI: Da stecken immense wirtschaftliche Chancen drin, allerdings auch große Herausforderungen im Hinblick auf  Datenschutz und digitale Souveränität. Wir sollten uns fragen, wie wir diese beiden Interessen verbinden können, anstatt über Unterschiede zu reden.

Dafür braucht es einiges an Vertrauen innerhalb der Partei. Wie wollen Sie Ihren Mitgliedern glaubhaft machen, dass Sie nicht nur Bestatter Nummer zwei werden?

Wir haben auch in den Jahren vor Christian Dürr schon Vertrauen verloren. Wir haben in der Ampelzeit Landtagswahlen verloren, zahlreiche Kommunalwahlen und viele Mandate. Doch wir dürfen uns als Parteiführung nicht im Klein-Klein verlieren, sondern müssen klar eine langfristige Erzählung nach außen und nach innen vertreten.

Und die wäre?

Wir müssen uns stabiler aufstellen. Inhaltlich liegen ganz viele Themen auf der Straße. Zum Beispiel das Aufstiegsversprechen. Zu unseren Kernwerten gehört Leistungsgerechtigkeit. Wer mehr arbeitet, muss auch davon profitieren. Das ist aktuell oft nicht mehr gegeben. Viele Menschen in meiner Generation sind in Einfamilienhäusern oder Eigentumswohnungen aufgewachsen. Das kann sich heute kaum noch einer leisten. Statt Steuern und Abgaben zu erhöhen, brauchen wir weniger Bauvorschriften, weniger Steuern und Abgaben, damit Bauen wieder leistbar wird.

Das erzählt die FDP seit Jahren – und ist offensichtlich nicht damit zu den Menschen durchgedrungen. Für welche FDP steht Henning Höne?

Ich stehe für Leistungsgerechtigkeit und Marktwirtschaft. Für eine FDP, die das Aufstiegsversprechen erneuert, indem wir auf Bildung setzen und es Menschen ermöglichen, wieder etwas aufzubauen. Ich stehe für eine FDP, die den Menschen hilft, sich gegen einen fetten Staat zu verteidigen.

Wie wollen Sie einen Neustart hinlegen, wenn die Themen dieselben bleiben?

Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass die liberale Perspektive in diesem Land gebraucht wird. Unsere Themen sind nicht falsch, aber es fehlte die liberale Erzählung. Wir sind die einzigen, die sagen: Wir glauben an dich, du kannst das selbst. Alle anderen Parteien sagen: Wir regeln das für dich.  Wir vertreten weiterhin unsere liberalen Kerninhalte. Allerdings haben wir es zuletzt nicht geschafft, diese Kerninhalte im politischen Alltag auf neue Fragen und Alltagsprobleme anzuwenden.

Angenommen, Sie werden im Mai zum neuen FDP-Chef gewählt. Was muss aus Ihrer Sicht für einen Neustart als erstes passieren?

Der Bundesvorstand muss dann schnellstmöglich zusammenkommen, um über inhaltliche Schwerpunkte eine Marken- und Kommunikationsstrategie zu beraten. Die FDP muss in die Headlines, nicht in die vierte Zitatspalte. Unsere Kommunikation muss von lebenspraktischen Beispielen ausgehen und wieder das freiheitliche Lebensgefühl vermitteln – etwa indem wir ausführen, wie das Aufstiegsversprechen wieder Realität wird.