Henning Höne im Interview mit "Die Glocke": Ich mache ein Angebot für einen Neustart

Henning Höne MdL, Landes- und Fraktionschef der Freien Demokraten in NRW und stv. Bundesvorsitzender der Freien Demokraten, gab der Zeitung "Die Glocke" das nachstehende Interview. Die Fragen stellte Ralf Ostermann. 

Die Glocke: Die FDP hat nicht einmal mehr in ihrem Stammland Baden-Württemberg den Wiedereinzug in den Landtag geschafft. In bundesweiten Umfragen läuft sie unter „ferner liefen“. In dieser Situation wollen Sie Bundesvorsitzender werden. Warum tun Sie sich das an?

Höne: Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass es eine liberale Stimme braucht in diesem Land. Eine Stimme, die sagt: Wir glauben an dich. Und die nicht immer sagt: Wir, der Staat, wir regeln das für dich. Diese Stimme kann nur die FDP sein. Die Partei ist in einer schweren Krise, wahrscheinlich der schwersten Krise in ihrer Geschichte. Aber ich habe Lust, Verantwortung zu übernehmen, weil ich an diese politische Idee glaube.

Was ist aus Ihrer Sicht seit dem Bruch der Ampel-Koalition im Bund bei den Liberalen schiefgelaufen?

Wir haben es nicht geschafft, einen glaubwürdigen Neustart hinzulegen. Während der Zeit der Ampelkoalition haben wir extrem viel Vertrauen verloren. Das belegen auch Umfragen im Nachgang zur Landtagswahl in Baden-Württemberg. Die Ampel-Zeit hängt uns nach – sowohl was manche inhaltliche Entscheidungen angeht als auch die häufigen Streitereien. Das hat Vertrauen gekostet. Und wenn man Vertrauen aufbauen will, dann muss man glaubwürdig einen Neustart hinbekommen. Das ist Teil meines Angebots für den Bundesparteitag.

Erst war davon die Rede, dass Sie gemeinsam mit der Europaabgeordneten Marie-Agnes Strack-Zimmermann eine Doppelspitze bilden wollten. Warum kommt es nun doch nicht dazu?

Aktuell sieht die Satzung der FDP keine Doppelspitze vor. Das heißt, es bestehen einfach satzungsrechtliche Unsicherheiten, und die sollten wir nicht eingehen. Ich kämpfe für einen Neustart mit einem neuen Kopf an der Spitze – und mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Wolfgang Kubicki als zwei unserer prominentesten Köpfe im Team. Dass ich das sehr gut finden würde, und ich mir das wünschen würde, das wissen beide auch.

Was wollen Sie anders machen als Noch-Parteichef Christian Dürr? Wie unterscheidet sich Ihr politisches Angebot?

Ich möchte ein Angebot machen, das erstens für einen Neustart steht, auch mit einer gesunden Distanz zur Ampelzeit. Zweitens fehlt uns spätestens seit dem Ausscheiden aus dem Bundestag eine erkennbare Strategie und eine klare Positionierung als FDP. Auch das ist mit meiner Kandidatur verbunden: Eine Strategie, die sich nicht definiert aus Distanz zu anderen Parteien und die auch weniger auf die Tagespolitik setzt – da sind wir in der außerparlamentarischen Opposition weniger gefragt –, sondern ich möchte einen eigenständigen Kurs der FDP mit einem eigenen Narrativ. Das heißt für mich: Wie soll unser Land eigentlich in 10, 20, 30 Jahren aussehen? Welche Rolle spielt Deutschland in einer geopolitisch immer schwieriger werdenden Welt? Wie findet unser Land zurück zu wirtschaftlicher Stärke? Erst einmal müssen wir als FDP aber aus uns selbst heraus eine klare Kursbestimmung vornehmen, um dann wieder erfolgreich zu sein.

Zeichnen sich denn bereits bestimmte inhaltliche Schwerpunkte ab?

Für mich gehört ganz zentral eine Erneuerung des Aufstiegsversprechens dazu. Die FDP ist die Partei der Leistungsgerechtigkeit. Aber wir wissen, dass der Lebensweg und der Bildungserfolg in Deutschland massiv vom Elternhaus abhängen. Das ist das Gegenteil von Leistungsgerechtigkeit. Es muss egal sein, aus welchem Elternhaus man kommt oder in welchem Viertel man geboren wird: Wer fleißig ist, soll alles erreichen können. Für Aufstiegschancen ist aber auch Wirtschaftswachstum zwingend notwendig, weil Menschen sich nur in einer wachsenden Wirtschaft neue Lebenschancen erarbeiten und wirtschaftlich aufsteigen können. Deutschland muss eine treibende Rolle spielen bei der weiteren europäischen Integration, aber nicht so wie bislang mit einer Bürokratisierung von jedem Lebensbereich, sondern in dem Bewusstsein, dass wir in Europa in wirtschaftlichen, technologischen und Sicherheitsfragen enger kooperieren müssen, damit wir mithalten können mit den Großmächten dieser Welt.

Die FDP gilt vielen immer noch als Partei der Besserverdiener. Müssen sich die Liberalen stärker für andere Wählerschichten öffnen?

Liberale Politik ist etwas für alle Menschen, weil alle Menschen davon profitieren, wenn sie möglichst frei und möglichst selbstbestimmt ihr eigenes Leben gestalten können und wenn der Staat ihnen dabei möglichst wenig im Weg steht. Aber klar ist: Freiheit gibt es bei der FDP nicht nur in wirtschaftlichen, sondern eben auch in gesellschaftlichen Fragen. Freiheit leitet uns auch in der Außen- und Sicherheitspolitik, weil unsere Freiheit abhängig davon ist, ob wir im Inneren wie im Äußeren sicher leben können. Die FDP muss auch zukünftig ein breites Angebot machen. Selbstverständlich muss es auch kommunikativ zukünftig Schwerpunkte geben, so wie bei allen anderen Parteien auch.

Sie sind bundesweit wenig bekannt, ihre Partei befindet sich auf Bundesebene in der außerparlamentarischen Opposition. Wie wollen Sie vor diesem Hintergrund an Profil gewinnen und auf sich und die Partei aufmerksam machen?

Ich möchte, dass die Partei insgesamt wieder mutiger wird, dass sie zuspitzt und auch Ecken und Kanten zeigt. Und das in Kombination mit einer sachlichen Unterfütterung unserer Ideen und Werte. Das ist mein Ziel und so gewinnt man auch an Profil und an Bekanntheit. Mut zu den richtigen Schwerpunkten, zur Zuspitzung, zu Ecken und Kanten: das muss für die Partei und ihren Vorsitzenden gelten. Ich bin dazu bereit.

Es läuft ja nun auf ein Duell zwischen Ihnen und Herrn Dürr beim nächsten Bundesparteitag hinaus. Schadet so eine Kampfkandidatur dem Zusammenhalt der Partei?

Nein. Ich kandidiere nicht gegen jemanden, sondern für den Bundesvorsitz unserer Partei. Wir sind eine Partei des Wettbewerbs, nach außen wie nach innen. Ich gehe das positiv und fair an. Wir müssen aufpassen – auch in demokratischen Parteien –, dass wir nicht immer von einer Wahl sprechen, wenn es nur einen Kandidaten gibt und dann direkt von einer Kampfkandidatur, wenn es mal Wettbewerb gibt. Auswahl und Wettbewerb sorgen dafür, dass die eigenen Argumente geschärft werden, dass sich die Mitglieder und Delegierten ein eigenes Bild machen können. Dafür mache ich im Wettbewerb das Angebot, unsere großartige Partei als Bundesvorsitzender wieder aufzurichten.