Henning Höne im Interview mit der RP: Ich will von der Zukunft und nicht von der Vergangenheit getragen werden

Henning Höne MdL, Landes- und Fraktionschef der Freien Demokraten in NRW und stv. Bundesvorsitzender der Freien Demokraten, gab der "Rheinische Post" das nachstehende Interview. Die Fragen stellte Birgit Marschall. 

Worum geht es bei diesem Machtkampf mit Kubicki eigentlich – ums Ego, oder auch um die Richtung der Partei?

Für mich geht es nicht um einen Machtkampf, es geht um zwei unterschiedliche Angebote für die Partei. Ich werbe für einen Neustart mit neuem Personal – und dabei möchte ich einen statt spalten. 

Wie finden Sie, dass Kubicki offensichtlich von Lindner und jetzt auch von Dürr unterstützt wird?

Ich will von der Zukunft und nicht von der Vergangenheit getragen werden. 

Was werden Sie anders machen als Kubicki?

Wolfgang und mich beschäftigen oftmals die gleichen Themen und Debatten. Uns eint der liberale Kompass und der Wille, diese Partei wieder zum Erfolg zu führen. Wir beide kämpfen beispielsweise für die Meinungsfreiheit und dafür, dass man Mitglieder der Bundesregierung “Schwachkopf” nennen darf. Ich möchte eine Partei, die alle Lesarten des Liberalismus verbindet: In dieser Partei haben Menschen, die sich besonders dem Thema Wirtschaft verpflichtet fühlen, ebenso Platz wie Menschen, die für mehr Bürgerrechte kämpfen. Es kommt dabei auf einen klugen Politik- und Führungsstil an, den ich anbiete. Und ich möchte die Erzählung des Liberalismus wieder alltagsverständlich machen. Etwa indem wir unsere politischen Ideen anhand einer Erneuerung des Aufstiegsversprechens deutlich machen. 

Was sagen Sie zur aktuellen Spritpreise-Debatte, welche Mittel wären die Richtigen?

Grundsätzlich gilt: Die Steuern sind zu hoch. Der Staat verdient sich dumm und dämlich an der Krise. Das muss aufhören. Die Marktwirtschaft hat für die hohen Preise bereits ein Instrument: das Kartellrecht mit einer starken Missbrauchsaufsicht. Die tägliche saftige Preiserhöhung um 12 Uhr ist natürlich genau der falsche Weg, weil die Preise dann erstmal stark erhöht werden. Friedrich Merz, Lars Klingbeil und Markus Söder sorgen jeden Mittag für eine staatliche Preiserhöhung. Die muss sofort weg.

Und warum nicht ein temporäres Tempolimit einführen?

Das ist doch Quatsch. Der hohe Preis sorgt doch schon dafür, dass viele Menschen noch stärker auf den Verbrauch achten. Im Übrigen: Die Menschen brauchen nicht noch mehr Bevormundung, denn die allermeisten Menschen fahren vernünftig und wirtschaftlich, sie achten ohnehin auf ihre Ausgaben. Wir brauchen nicht immer noch mehr Misstrauen und Bevormundung vom Staat gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. Wir müssen wieder damit anfangen, den Menschen Vernunft und Eigenverantwortung zuzutrauen. Und wir müssen aufhören, immer die gleichen Vorschläge aus der Mottenkiste zu holen und dann passende Anlässe dafür zu erfinden. Die marktwirtschaftliche Antwort ist: kein Tempolimit, sondern Steuern senken und die Missbrauchsaufsicht stärken.